Psycho-Tipps: Was Tun, Wenn Mein Kind Beißt?

Zwar verfügen bisweilen neue Arbeitskonzepte über keine breite gesellschaftliche Akzeptanz, nichtsdestoweniger zeichnen sich die Risse der gegenwärtigen Arbeitsgesellschaft immer deutlicher ab, weshalb die Rede von einer Krise des Sinns der Arbeit breiten Anschluss findet. Diskutiert wurde, ob die Sicherheit und Stabilität des fordistischen Arrangements nun dafür sorgen, dass neue Werte wie Selbstverwirklichung an Bedeutung gewinnen, und die Beschäftigten sich nun stärker für die Inhalte der Arbeit statt für den Lohn interessieren. Die Debatten über Werteorientierungen in der Arbeit haben immer wieder gezeigt, dass sich das Interesse für die Inhalte der Arbeit und für die materielle Sicherheit nicht gegeneinander ausspielen lassen: Beide Aspekte sind für die Beschäftigten wichtig und sind Bestandteil der Erwartungen an gute Arbeit. Doch die vielfältigen Krisen der Arbeitswelt sorgen aktuell dafür, dass diese Versprechen der Erwerbsarbeit kaum mehr eingelöst werden: Mit der Prekarisierung der Arbeit und der Ausweitung des Niedriglohnsektors spaltet sich die Arbeitswelt zusehends in einen Bereich gut bezahlter und sicherer Arbeit und einen anderen Bereich mit unterfordernder, unsicherer und nicht-existenzsichernder Arbeit. Für immer mehr Beschäftigte, so suggeriert die These einer Sinnkrise, stelle sich nunmehr die berufliche Sinnfrage und das Warum des Arbeitens scheint fraglich. Die Wünsche nach neuen Arbeitskonzepten und einer anderen und auch sinnvolleren Arbeit werden vielfach mit bestimmten Gruppen wie der Generation Y oder der Postwachstums-Bewegung assoziiert, die eine Art Vorreiterrolle einnehmen und ein neues Arbeitsverständnis reklamieren.

www.dhnet.be Tatsächlich ist das gegenwärtige Verständnis von Arbeit stark auf die Erwerbsarbeit fixiert. Die Debatte um New Work zeigt, dass Arbeit auch jenseits der Erwerbsarbeit zu denken und ein erweitertes Verständnis von Arbeit unabdingbar ist. Die gesundheitlichen Probleme deuten an, dass mit dem aktuellen Umbau der Arbeitswelt nunmehr ein kritischer Punkt erreicht ist, der die Frage nach Formen eines gesünderen und nachhaltigeren Arbeitens virulent werden lässt und somit die Frage nach dem Sinn in der Arbeit aufwirft. Von einer Krise des Sinns wird aber auch in einem anderen Kontext gesprochen, nämlich dann, wenn der Sinn innerhalb der Arbeit problematisch wird und Beschäftigte ihre Arbeit nicht mehr als sinnvoll erleben. Individuell finden sich je nach Lebenslage und -situation ganz unterschiedliche Gewichtungen der Erwartungen an Arbeit. All diese Veränderungen fordern ein neues Nachdenken darüber, wie Arbeit zukünftig gestaltet sein soll. All diese Faktoren tragen zu einer Humanisierung der Arbeit bei, die trotz jahrzehntelanger Forderungen noch nicht hinreichend realisiert ist. New Work steht aber gleichermaßen für die Aufwertung anderer Arbeitsformen, und auch dieser Aspekt ist für die Frage nach der Gestaltung einer zukunftsfähigen Arbeit mitzudenken. Hoffnungen, aber auch Ängste charakterisierten diese Debatten, und es tauchten immer ähnliche Fragen im neuen Gewand auf, die zu beantworten gesucht wurden: Wird es noch genug Arbeit für alle geben?

Sicherlich können die genannten Punkte nur als erste Schritte in Richtung einer Transformation der Arbeitswelt gewertet werden, die an den Bedürfnissen der Menschen anschließt und neue Sinnperspektiven der Arbeit eröffnet. Wenn es um das Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen auf der Welt gibt, dann lauten doch die zentralen Fragen: Kann der Planet die alle ernähren? Aus diesem Grund (und weil die Geschäfte mäßig laufen) verhandelten die Münchner im vergangenen Jahr gleich mit mehreren großen Wirtschaftsprüfern über einen Verkauf – vergebens. Aus der Arbeitsforschung sind zudem die Faktoren einer gesundheitsförderlichen, guten Gestaltung von Arbeitsplätzen bekannt: Dazu zählen ein Mindestmaß an Aufgabenkomplexität, Autonomie, Entwicklungsmöglichkeiten, soziale Einbettung und Anerkennung. Sie bietet gesellschaftliche Teilhabe, soziale Anerkennung und strukturiert die Lebensentwürfe von Individuen. Auch wenn solche anderen Arbeitskonzepte bisher nur vereinzelt auftreten, bieten sie doch enormes Potenzial für die zukünftige Gestaltung der Arbeitswelt. Doch welche Schlagkraft haben solche neuen Werte? Während dies früher als ein Problem insbesondere geringqualifizierter und stark fragmentierter Tätigkeiten galt, finden sich mittlerweile auch Hinweise auf solche Problematiken aus hochqualifizierten Beschäftigungssegmenten: Auch Ärzte, Hochschullehrende oder IT-Fachkräfte klagen mittlerweile darüber, dass sie durch zahlreiche neue, administrative Aufgabenanteile nicht mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit kommen.

Arbeit kann eine Sinnquelle im Leben sein. Pessimisten stellen sich früher im Leben die Frage: „Soll das schon alles gewesen sein? Arbeit mit den Händen soll ja nicht nur anstrengend, sondern auch (in ermangelung eines besseren Wortes) befriedigend sein. Ebenfalls zeugen Medienberichte und Studien davon, dass Klagen über eine wachsende Sinnlosigkeit der Arbeit zunehmen: Berichtet wird von einer Zunahme sinnloser Aufgaben, durch welche verhindert wird, das zu tun, was eigentlich wichtig und richtig ist. So wird gerade die Zunahme psychischer Erkrankungen häufig als Hinweis für eine Sinnkrise der Arbeitsgesellschaft gedeutet. Hier gilt es zunächst, zwei Diskurse über die Krise des Sinns der Arbeit zu differenzieren: So kann sich die Krisendiagnostik auf das gegenwärtige Gefüge der Arbeitsgesellschaft beziehen. Jenseits aller Verheißungen der Arbeit 4.0 und ihrer Potenziale verweist die Spaltung der Arbeitsgesellschaft auf die Notwendigkeit der Gewährung von guter Arbeit, also von Erwerbsarbeit, die sich an der Würde von Beschäftigten orientiert und Existenzsicherung bietet. New Work stellt den vorherrschenden Arbeitsbegriff grundlegend infrage und steht für ein neues Denken über Arbeit sowie neue Arbeitskonzepte. Auch gegenwärtig deuten Begriffe wie Arbeit 4.0 oder New Work darauf hin, dass sich die Arbeitswelt in einem fundamentalen Wandlungsprozess befindet.

Aktuell wird die Diskussion über die Zukunft der Arbeit unter dem Stichwort New Work geführt. Die Gefahren flexibler Arbeit dürfen nicht individualisiert werden, sondern müssen in Unternehmen und politisch abgefangen werden. Für die Unternehmen eröffnet sich dadurch die Chance, Mitarbeitende langfristig zu binden. Auch Unternehmen haben bereits das Potenzial der New-Work-Formel erkannt und diskutieren unter diesem Konzept besonders neue Formen der Arbeitsorganisation und flexible Arbeitszeitmodelle, die sich an den unterschiedlichen Bedarfen der Beschäftigten nach Sabbaticals, Elternzeit oder Altersteilzeit orientieren. Heutzutage nutzt ein Großteil der Beschäftigten Informations- und Kommunikationstechniken in der Arbeit und die digitale Revolution sorgt dafür, dass sich die Arbeitswelt grundlegend verändert. Bedingt durch diese beiden Krisen des Sinns lässt sich gegenwärtig eine höhere gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Fragen des Sinns und des Sinnerlebens in der Arbeit beobachten. Aktuelle Untersuchungen bestätigen die Heterogenität von Erwerbsorientierungen und zeigen, dass es jenseits des Mainstreams auch Beschäftigte gibt, denen der gesellschaftliche Beitrag ihres Tuns sowie eine Orientierung an Altruismus wichtig ist.

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